Benediktbeuern, ein Juwel am Alpenrand
Marianne Müller

Im Februar  besuchte uns meine liebe ehemalige Kollegin Christine. Wir hatten zumeist schönes Wetter und wir unternahmen Einiges hier im “Blauen Land“. Ein absolutes Highlight war unser Besuch im Kloster Benediktbeuern (Bild 1).

Die Anfänge des Klosters liegen um 725/728. Karl Martell gründete Buron/Benediktbeuern als Kontrollstation der Route nach Rom am Eingang in die Berge und stattete es mit Land- und Hoheitsrechten aus. Bald kamen Mönche hinzu, bewirtschafteten die Station Buron, machten das Land urbar und kultivierten das Moor – Buron  wurde zu einem christlichen Missionszentrum. Kaiser Karl der Große schenkte dem Kloster eine Armreliquie des heiligen Benedikt. Im Laufe der Zeit wurde Benediktbeuern der wichtigste Kultort des Mönchsvaters Sankt Benedikt. Heute ist das Kloster eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos.

Christine und ich besuchten als erstes den Meditationsgarten, in dem  medizinische Pflanzen wachsen. Der Garten orientiert sich an dem berühmten Bodenlabyrinth in der Kathedrale von Chartres (Bild 2).  Früher beschäftigten sich die Mönche in den Klöstern auch mit Kräutermedizin; am Eingang dieses Gartens ist eine Nachbildung des „Benediktbeurer Receptar“ zu sehen mit einer Erläuterung der Rezepte (Bild 3).

Die ehemalige Abteikirche und heutige Pfarrkirche St. Benedikt (erbaut 1681) ist außerhalb Münchens die früheste bedeutende Barockkirche Oberbayerns (Bild 4). Der strenge querschifflose Innenraum ermöglicht von überall her den Blick auf Kanzel und Hauptaltar (Bild 5). Rückwärts befindet sich eine doppelgeschossige Empore mit einer großen Orgel. In den Sommermonaten finden hier Sonntag Mittag Orgelkonzerte statt, in die man einfach reingehen kann.
 
Wir wandern weiter in den gotischen Kreuzgang von 1493 (Bild 6), mit gotischem Saal und barockem Kapitelsaal. In diesem Kreuzgang finden oft Ausstellungen statt, vor allem von Künstlern aus der Region.

Ganz besonders interessierte uns die historische Glashütte (Bild 7). Der berühmte Optiker Joseph von Fraunhofer forschte hier von 1807-1819 in den Gebäuden des ehemaligen Klosters, das Joseph von Utzschneider nach der Säkularisation 1805 erworben hatte; hier war eine Glashütte zur Herstellung von Gebrauchsglas und optischem Glas eingerichtet worden. Fraunhofer entdeckte hier die nach ihm benannten Linien im Sonnenspektrum (Bild 8).

Der Maierhof (Bild 9), ehemaliges Landwirtschaftsgebäude des Klosters und heutiges Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) ist geeignet für Tagungen, Symposien usw. Zu Gast im Maierhof …vielleicht  geeignet für ein Ehemaligentreffen? Benediktbeuern wäre mit dem Zug erreichbar, und München ist nicht weit.

Das Kloster Benediktbeuern ist ein lebendiger Ort für Jung und Alt. In die Jugenherberge kommen Jugendliche aus der ganzen Welt. Bei den „Don Bosco Volunteers“ machen vor allem junge Menschen Freiwilligendienste. Noch einige weitere Institutionen sind hier zu finden wie die „Katholische Stiftungshochschule“, „Aktionszentren“ und Weiteres. Es finden Ausstellungen, Konzerte und internationale Begegnungen statt. Großartig sind auch die Konzerte im Innenhof des  Maierhofs, zum Beispiel die „Carmina Burana“; die Texte stammen aus einer mittelalterlichen Handschrift  (Beurer Lieder!), die 1803 in der Bibliothek des Klosters gefunden wurden (Bild 9)  Carl Orff hat sie 1935/36 vertont.

Das Kloster Benediktbeuern ist ein wunderschöner Ort mit vielfältigen kulturellen Angeboten, umgeben von herrlicher Natur (Bilder 10 und 11).

Die Zeichnung ist von Helmut Keim, die Fotos stammen von Helmut Keim und Marianne Müller
 

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